ANTON WEBER
Ein Künstlerleben mit vielen Facetten

 


Anton Weber
(Bollschweil/Brsg. 1904 - 1979 Fréland/Alsace)

Radierung:
"Selbstporträt"

(ca. 1930)

„Ab Mitte der zwanziger Jahre Student an der Karlsruher Landeskunstschule. Ausbildung zum Graphiker, vermutlich bei Walter Conz. Gründet mit Karl Hubbuch und Erwin Spuler 1930 die Zeitschrift ‚Zakpo’, die nach zwei Nummern wieder eingestellt wird.
Ausstellungsbeteiligungen: Badisches Kunstschaffen der Gegenwart, Städtische Kunsthalle Mannheim (1929); Selbstbildnisse badischer Künstler, Badischer Kunstverein Karls­ruhe (1930); Kunstausstellung Baden-Baden (1931). Verheiratet mit der Bildhauerin Martha Kuhn-Weber.
(...) Hinterließ bei seinem Tod im Jahre 1979 ein umfangreiches zeichnerisches Werk.
Posthume Ausstellungsbeteiligung: Kunst in Karlsruhe 1900-1950, Badischer Kunstverein Karlsruhe (1981), veranstaltet in den Räumen der Karlsruher Kunsthalle. - Mehr nicht zu ermitteln.“
(Biografie der „Galerie Nikolaus Fischer“ anlässlich der Ausstellung „Anton Weber, Karlsruhe. Arbeiten auf Papier. 1926 - 1932“, Frankfurt a.M., 2o. Nov. 1999 - 18. Jan. 2000)

„(...) Bis Kriegsende war Weber ein gefragter Szenenbildner im Sold der UFA, der eine Reihe von gefälligen Unterhaltungs­produktionen, darunter zwei Zarah-Leander­-Melodramen (‚La Habanera’, ‚Die große Liebe’), aber auch propagandistische Stücke (‚Stukas’, ‚Germanin’) ausstattete. Mit den Bauten zu Helmut Käutners Flussschiffer-Idylle ‚Unter den Brücken’ konnte Anton We­ber gegen Ende seiner Karriere auch an ei­nem künstlerisch beachtlichen Projekt mit­arbeiten. Sein letzter Entwurf gestaltete zu­gleich die letzte UFA-Großproduktion, Wolf­gang Liebeneiners ‚Das Leben geht weiter’. (...)“
(Kay Weniger „Das große Personenlexikon des Films“, Berlin 2001)

Zwei veröffentlichte Biografien über Anton Weber. Bei der ersten, einer aus dem Kunst-Bereich, schließt seine Aktivität in den 1930er Jahren. Der Rest ist unbekannt.

Bei der zweiten, einer aus dem Kino-Bereich, ist 1945 das „Ende seiner Karriere“ erreicht. Aber was war in den folgenden Jahren? Dafür nun noch ein Zitat aus dem Foto-Zweig:
„1967 lernt sie (gemeint ist Edith Lechtape, d. Red.) Antoine Weber kennen. Der sich bereits seit 20 Jahren mit photographischen Techniken befasst hatte. Durch ihn wurde Edith Lechtape angeregt, sich ebenfalls der Photographie zuzuwenden. Seit 1972 schufen sie gemeinsam übermalte und überzeichnete Photoarbeiten. (...)“
(Reinhold Mißelbeck „Photographie des 20. Jahrhunderts. Museum Ludwig Köln“ (Köln etc. 1996)

Die Belegstellen scheinen besonders eindrucksvoll zu zeigen, wie sehr die Kunstgeschichte bei ihren Recherchen ausschließlich in einem künstlerischen Fach sucht. Dass es - wie bei Anton Weber - aber auch Künstler-Persönlichkeiten gibt, die in ihrem Leben ihr Arbeitsgebiet wechseln, wird - vielleicht manchmal sogar bewusst - vernachlässigt. Aus diesem Grund gibt es bis zum heutigen Tag keine veröffentlichte Biografie von ihm, die in etwa vollständig ist.

Denn Anton Weber malte und zeichnete, war zu UFA-Zeiten Filmarchitekt, später in der Nachkriegszeit Filmproduzent, übernahm bei Kulturfilmen Kamera und Regie, schrieb Drehbücher und Hörspiele, gab eine Bühnenzeitschrift („THEATER morgen“) heraus und stellte in den 1970er Jahren als experimenteller Fotokünstler seine Arbeiten in Galerien aus.

Anton Weber hat es den Lebenslauf-Verfassern jedoch auch nicht immer leicht gemacht. Er selbst ließ vieles, das er hinter sich gelassen hatte, eher nebulös im Unklaren. Zusätzlich nannte er sich nach seinem Umzug 1965 ins Elsass Antoine Weber und benutzte er immer wieder Pseudonyme: z.B. Martin Joseph (bei Drehbüchern), Andrea Andermann oder Martin Joseph Tisserant (bei Hörspielen), Jan Ungemut (bei Theaterstücken und Romanen) oder Anthony  Weaver während der britischen Besatzung in Hamburg.

Hans-Jürgen Tast

 

Literatur über Anton Weber
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